KEBÖ zur Reform der Bildungskarenz
03.04.2025 | EB in Österreich
Wien (OTS) - Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) begrüßt die geplante Reform anstelle einer generellen Abschaffung der Bildungskarenz. Die KEBÖ fordert jedoch, dass die Reform die Prinzipien des Erwachsenenbildung-Förderungsgesetzes konsequent umsetzt und dabei insbesondere die Förderung von Fähigkeiten zu verantwortungsbewusstem Urteilen und Handeln sowie die Entfaltung persönlicher Anlagen berücksichtigt.
Weiterbildungszeit muss Skills zur gesellschaftlichen Teilhabe berücksichtigen
„Die Bildungskarenz muss auch in Zukunft ein Instrument bleiben, das nicht nur der beruflichen Qualifikation dient, sondern vor allem auch die politische, soziale und wirtschaftliche Bildung fördert und die Möglichkeit bietet, die eigene Schulbildung nachzuholen, fortzuführen oder zu erweitern“, erklärt KEBÖ-Vorsitzender Bernd Wachter. Besonders die Förderung „transversaler Kompetenzen“, die in der Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung gewinnen, müsse ebenfalls in die Reform aufgenommen werden, so Wachter weiter.
Zertifizierung von Bildungsanbietern als zentrales Anliegen der KEBÖ
Ein weiteres zentrales Anliegen der KEBÖ ist die Zertifizierung von Bildungsanbietern. Alle Anbieter im nicht-schulischen und nicht-hochschulischen Bereich sollten eine gültige Ö-Cert-Zertifizierung vorweisen können, ebenso wie die Einhaltung der kollektivvertraglichen Bestimmungen des BABE-Kollektivvertrags. Dies sei eine wichtige Maßnahme, um die Qualität der Bildungsangebote zu gewährleisten, betont John Evers, Generalsekretär des Verbandes der Österreichischen Volkshochschulen.
Ja zum Fokus auf Menschen mit geringer formaler Bildung
Positiv bewertet die KEBÖ die geplante Öffnung der Bildungskarenz für Menschen mit geringer formaler Bildung. Die Erhöhung des AMS-Mindestzuschusses wird als richtiger Schritt gewertet, um auch dieser Zielgruppe den Zugang zu Bildungsmaßnahmen zu erleichtern. Die KEBÖ sieht hierin die Möglichkeit zur Chancengleichheit für benachteiligte Gruppen und zur Verringerung von Bildungsungleichheiten.
Vieles bleibt noch offen
Allerdings gibt es noch offene Fragen, die im Rahmen der Reform geklärt werden müssen. So ist unklar, wie das Mindeststundenausmaß von 20 Stunden überprüft werden soll und ob eine verpflichtende Bildungsberatung eingeführt wird. Die KEBÖ stellt infrage, ob die derzeitige Struktur der Bildungsberatung organisatorisch und kapazitätsmäßig für diese zusätzliche Aufgabe gewappnet ist.
Besondere Sorgfalt erfordert auch die Festlegung von klaren Kriterien für Onlineangebote. BFI-Geschäftsführer Gerald Strobl dazu: „Es müssen klare Vorgaben hinsichtlich der Zeitgestaltung und der Teilnehmer:innenzahl bei Webinaren sowie bei Präsenzveranstaltungen getroffen werden, um eine Qualität der Bildungsmaßnahmen sicherzustellen und kostengünstige Massenveranstaltungen zu verhindern.“
Ein erheblicher Sorgenpunkt bleibt die geplante Budgetgrenze von 150 Millionen Euro jährlich. Die KEBÖ fordert Klarheit darüber, wie die Verteilung des Budgets geregelt werden soll. „Wird ein First-come-first-serve-Prinzip angewendet?“, fragt sich Carola Grader vom WIFI. Konkret ginge es darum, welche Kriterien über die Zulassung von Personen entscheiden und ob der Rechtsanspruch auf Bildungskarenz und Bildungsteilzeit bestehen bleibt, so Grader.
Zusammenarbeit mit der KEBÖ empfehlenswert
„Im Rahmen der Neuregelung der Bildungskarenz empfehlen wir eine enge Zusammenarbeit mit der KEBÖ, um sicherzustellen, dass die Reform auch im Sinne der Erwachsenenbildung wirksam wird. Wir stehen bereit und freuen uns auf den Dialog und die Mitgestaltung der neuen Regelung“, so KEBÖ-Vorsitzender Bernd Wachter abschließend.
Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs
Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs ist die Arbeitsplattform der im Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz von 1973 anerkannten Österreichischen Erwachsenenbildungsverbände. Die in der KEBÖ vertretenen zehn Bundes-Verbände sind autonom, nicht gewinnorientiert und leisten österreichweit kontinuierliche und planmäßige Bildungsarbeit.
Der Vorsitz wechselt nach einem Rotationsprinzip zwischen den fünf größten teilnehmenden Verbänden (BFI, Forum, Ring, VÖV, WIFI). Derzeit ist das Forum Katholischer Erwachsenenbildung bis 2025 vorsitzführender Verband der KEBÖ. Allein 2023 wurden 168.755 Veranstaltungen von der KEBÖ organisiert. Dabei konnten 2.395.885 Teilnahmen gezählt werden.